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Michael Simon

Stellenabbau im Pflegedienst der Krankenhäuser

Eine Analyse der Entwicklung zwischen 1991 und 2005

Hintergrund: Seit Mitte der 1990er Jahre findet ein Stellenabbau in Krankenhaäusern statt, von dem insbesondere auch der Pflegedienst betroffen ist. Obwohl die Tatsache seit längerem bekannt ist, fehlt es noch an einer gründlichen Analyse und Aufbereitung der verfügbaren Daten, um sich ein fundiertes Bild über den Umfang, die Entwicklung, Ursachen und Auswirkungen machen zu können.  

Ziel der Studie: Ziel der Studie ist eine gründliche und möglichst umfassende Aufbereitung und Analyse sowohl der verfügbaren Daten als auch der krankenhauspolitischen Entwicklung seit 1991. Damit soll die Diskussion über den Stellenabbau im Pflegedienst auf eine bessere Daten- und Wissensgrundlage gestellt werden. Die Analyse soll zudem zur Klärung der Frage beitragen, welches die Ursachen für den Stellenabbau sind und welche Konsequenzen daraus für die Qualität der Patientenversorgung resultieren.

Methoden: Primäre Datengrundlage sind die Daten der Krankenhausstatistik sowie der Gesundheitsausgabenrechnung des Statistisches Bundesamtes. Die Analyse der Krankenhausdaten beschränkt sich auf die Allgemeinkrankenhäuser, zum einen weil die sonstigen Krankenhäuser nicht unter den Anwendungsbereich des DRG-Systems fallen und zum anderen der Differenzierungsgrad der krankenhaustatistischen Daten für Allgemeinkrankenhäuser weiter gehende Analysen erlaubt.

Ergebnisse: Die Analyse führt zu dem Ergebnis, dass zwischen 1995 und 2005 insgesamt ca. 104.000 Vollzeitstellen für nicht-ärztliches Personal in Allgemeinkrankenhäusern abgebaut wurden. Der ärztliche Dienst wurde hingegen um ca. 19.000 Vollkräfte ausgebaut. Im Saldo ergibt dies einen Gesamtstellenabbau von ca. 85.000 Vollkräften.
Der größte Teil des Stellenabbaus entfiel mit ca. 44.000 Vollzeitstellen auf den Pflegedienst. Im Jahr 2005 lag die Zahl der Vollkräfte im Pflegedienst der Allgemeinkrankenhäuser um 13,7 % unter dem Wert des Jahres 1995 und sogar noch unter dem Wert des Jahres 1991, als über einen Pflegenotstand in Krankenhäsern gesellschaftlich diskutiert wurde.
Eine Analyse der Kostendaten der Allgemeinkrankenhäuser zeigt, dass der Stellenabbau im Pflegedienst nicht allein durch die Budgetdeckelung und Einführung des DRG-Systems erklärt werden kann. Mehr als die Hälfte des Stellenabbaus wäre auf Grund der allgemeinen Budgetentwicklung nicht erforderlich gewesen, sondern erfolgte offenbar, um im Rahmen einer internen Umverteilung Mittel für andere Zwecke freizusetzen. Gewinner der internen Umverteilung war der ärztliche Dienst.
Vor dem Hintergrund der Ergebnisse zahlreicher internationaler Studien muss davon ausgegangen werden, dass der Stellenabbau bereits negative Auswirkungen auf die Qualität der Patientenversorgung hat. Die Ergebnisse internationaler Forschung zu diesem Thema weisen darauf hin, dass eine niedrigere Personalbesetzung in Pflegedienst das Risiko erhöht, als Patient im Krankenhaus eine schwerwiegende Komplikation zu erleiden oder sogar zu versterben.

Schlussfolgerungen: Es besteht dringender Handlungsbedarf, da sich die Personalbesetzung des Pflegedienstes in Allgemeinkrankenhäusern seit mehr als 10 Jahren in einer Abwärtsspirale befindet und mit weiterem Stellenabbau zu rechnen ist. 

2007
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Webmaster Fakultät V 01.04.2008  
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