23.11.2021

Fachtag "Menschenhandel und Arbeitsausbeutung"

Zum Fachtag „Mit Menschenrechten gegen Arbeitsausbeutung. Herausforderungen und Möglichkeiten“ am 18. November 2021, der Corona-bedingt online durchgeführt wurde, konnten 100 Teilnehmende in der virtuellen Aula an der Fakultät V begrüßt werden.

Die in Kooperation mit der bundesweiten Servicestelle gegen Arbeitsausbeutung, Zwangsarbeit & Menschenhandel (Berlin) und der Fakultät V der Hochschule Hannover (Prof. Dr.  Karin Lenhart-Roth) durchgeführte Veranstaltung stellte die besondere Bedeutung und Perspektive zivilgesellschaftlicher Akteur:innen bei der Bekämpfung von Menschenhandel und Arbeitsausbeutung in Deutschland in den Fokus. Ausgehend von der menschenrechtlichen Verpflichtung Deutschlands, das Phänomen nicht nur strafrechtlich zu ahnden, sondern den Betroffenen besondere Schutzrechte zu gewähren und präventive Maßnahmen zu stärken, wurden Hürden und Stolpersteine in den Blick genommen sowie Bedingungen zur Stärkung von Betroffenenrechten formuliert. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme im ersten Teil der Veranstaltung zeigte deutlich die Diskrepanz zwischen den Bedingungen eines menschenrechtsbasierten Ansatzes und realen, auch vielfach politisch zu verantwortenden Verhältnissen, die die eingegangenen Verpflichtungen konterkarieren. Im zweiten Teil berichteten verschiedene Akteur:innen aus der Praxis über Grenzen, aber auch Möglichkeiten, Betroffenenrechte stärken zu können.

Deutlich wurde, dass es neben der weiteren Vernetzung relevanter Akteur:innen in Bezug auf Arbeitsausbeutung vor allem weithin Schulungen bei Strafverfolgungs- und Ausländerbehörden sowie in vielen Feldern des Hilfesystems braucht, um für Ausbeutung zu sensibilisieren, Betroffene zu identifizieren und ihnen die ihnen zustehenden Schutzrechte zukommen zu lassen. Es braucht die Schärfung des Bewusstseins in eine breite Öffentlichkeit hinein, in der ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, sei es bei Paketdiensten, der Erdbeerernte oder in der privaten 24-Stundenpflege, vielfach als Kavaliersdelikt abgetan werden, weil der eigene Nutzen so groß ist. Unterstrichen wurden schließlich altbekannte Forderungen an die Politik, endlich eine unabhängige Berichterstatterstelle einzurichten und eine nationale Strategie gegen Menschenhandel zu entwickeln. Dazu braucht es Ressourcen und politischen Willen, u.a. der neuen Bundesregierung, aber auch in den Bundesländern, den eingegangenen Verpflichtungen gerecht zu werden.