Entwicklung und Wirkung von Schutzkonzepten in Schulen im Längsschnitt, Teilprojekt Entwicklungsprozesse und Perspektiven von Schüler*innen - SchuLae

Mit einer Laufzeit von drei Jahren hat das Verbundprojekt der Hochschule Hannover und des Deutschen Jugendinstituts München (DJI) im Oktober 2021 seine Arbeit aufgenommen.

Verbundvorhaben

Schutzkonzepte stellen einen zentralen Ansatz der Prävention sexueller Gewalt in pädagogischen Institutionen dar. Sie sollen dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche dort vor sexuellen Übergriffen sicher sind (Schutzort), aber auch kompetente Ansprechpartner*innen finden, wenn sie – egal wo – Erfahrungen sexueller Gewalt machen mussten (Kompetenzort). Schulen kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, da nahezu alle Kinder und Jugendlichen im Schulalter einen Großteil des Tages dort verbringen. Schutzkonzepte umfassen ein abgestimmtes Set aus mehreren Maßnahmen, die in Schulen unter Verantwortung der Leitung, zusammen mit dem Kollegium sowie mit Schüler*innen und Eltern entwickelt werden. Die Maßnahmen umfassen beispielsweise Präventionsangebote für Schüler:innen, Fortbildungen für Beschäftigte, einen Orientierungsrahmen für den grenzachtenden Umgang mit Mädchen* und Jungen*, ein Beschwerdeverfahren und Ansprechpersonen, einen Interventionsplan sowie die Kooperation mit anderen Fachleuten.       
Die bisherige Forschung zu Schutzkonzepten an Schulen konzentriert sich auf Befragungen von Schüler*innen zur Verbreitung sexueller Übergriffe an Schulen (z.B. Maschke/Stecher 2018) sowie Studien zur Aufarbeitung besonders drastischer Fälle (z.B. Burgsmüller/Tilmann 2019). In mehreren Befragungswellen wurde zudem der Stand der Einführung von Schutzkonzepten an Schulen bundesweit untersucht (Kappler u.a. 2019). Dabei zeigte sich, dass Schulen ganz überwiegend angeben, mehrere Elemente von Schutzkonzepten aufzugreifen, sich aber nur sehr wenige Schulen bereits ein umfassendes Schutzkonzept zusprechen. Obwohl von großer Bedeutung für die Ausgestaltung der flächendeckenden Einführung bzw. Weiterentwicklung von Schutzkonzepten in Schulen, haben Fragen der Wirkung von Schutzkonzepten bislang nur am Rande Beachtung erfahren. Das Forschungsvorhaben in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut (DJI) greift dieses zentrale Anliegen auf.

Das Projekt untersucht die Frage der Wirksamkeit von Schutzkonzepten im Längsschnitt, indem die Veränderungen nach (Weiter-)Entwicklung eines Schutzkonzepts an einer Schule aus Sicht der Schüler*innen, Lehrkräfte, Schulleitungen und Schulsozialarbeitenden erfasst werden. Im Fokus stehen dabei die Fragen, inwieweit Schutzkonzepte die Häufigkeit sexueller Übergriffe verringern und zu einem erhöhten Sicherheitsgefühl in der Schule beitragen. Zudem interessieren die Auswirkungen auf die Bereitschaft, bei sexuellen Übergriffen Hilfe zu suchen bzw. zu leisten.

Zum Ergebnistransfer sind u.a. Workshops mit Personen aus der Bildungsadministration sowie die partizipative Entwicklung einer Handreichung für die Schülermitverwaltung geplant.

Teilvorhaben der Hochschule Hannover

Das qualitativ angelegte Teilprojekt der Hochschule Hannover interessiert sich insbesondere für die Perspektive der Schüler*innen. Es adressiert ihre Wahrnehmung des Schulklimas und ihre Sicht auf Grenzverletzungen und möchte wissen, wo sie Ansatzpunkte für Prävention sehen. Zu zwei Zeitpunkten werden insgesamt 12 Gruppendiskussionen mit Schüler*innen der Mittelstufe geführt. Die erhobenen Daten werden durch das Projektteam sowohl inhaltsanalytisch als auch anhand der Dokumentarischen Methode ausgewertet. Zusätzlich werden im Teilprojekt der Hochschule Hannover Expert*inneninterviews mit Lehrkräften geführt, um auch ihre Sicht auf Schulkultur, Präventionsbestrebungen und Interventionsprozesse zu erfassen.

Teilvorhaben des Deutschen Jugendinstituts

Das Deutsche Jugendinstitut befragt Schüler*innen der Jahrgangsstufen 7 bis 9, Lehrkräfte, Schulleitungen sowie Sozialarbeitende aus etwa 30 Schulen zu zwei Messzeitpunkten. Dabei werden Schulen mit keinen oder noch unkonkreten Plänen zur Einführung eines Schutzkonzeptes (=Kontrollgruppe) mit Schulen mit konkretem Plan zur Einführung bzw. bedeutsamer Weiterentwicklung eines Schutzkonzeptes (=Interventionsgruppe) verglichen. Mit letzteren wird eine Analyse von Potenzialen und Risiken an ihrer Schule durchgeführt und ihnen wird ein Kontingent für Beratung zur Schutzkonzeptentwicklung zur Verfügung gestellt.


Kurzübersicht

  • Laufzeit: 01.10.2021 - 30.09.2024
  • Fakultäten: Fak. V Soz.A Soziale Arbeit
  • Projektleitung: Prof. Dr. Martin Wazlawik
  • Projektmitarbeit: Felicia Grieser, M.A.
  • Drittmittelgeber: BMBF-Bundesministerium für Bildung und Forschung
  • Verbundpartner: Deutsches Jugendinstitut München

Referenzliteratur

Burgsmüller, Claudia/Tilman, Brigitte (2019): Institutionelles Versagen beim Umgang mit sexueller Gewalt im schulischen Kontext. Wiesbaden

Kappler, Selina/Hornfeck, Fabienne/Pooch, Marie-Theres/Kindler, Heinz/Tremel, Inken (2019): Kinder und Jugendliche besser schützen – der Anfang ist gemacht. Schutzkonzepte gegen sexuelle Gewalt in den Bereichen: Bildung und Erziehung, Gesundheit, Freizeit. Abschlussbericht des Monitorings zum Stand der Prävention sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Berlin

Maschke, Sabine/Stecher, Ludwig (2018): Sexuelle Gewalt: Erfahrungen Jugendlicher heute. Weinheim und Basel


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